Mennonifische Rundschan

Erscheint fonerhentlich

Lusset uns Heissig sein, zu halten die Kinigkeit im Geist

Gegruendet im Jahre 1877

Kin christliches Familienbiatt

71. Jahrgang

Winnipeg, Nlanitoba, 25. Juni, 1948

Jeju, du allein.

Jeſu, du allein jollit mein Kiik ſei

du alle ! Führer jein. Du führſt mich auf rechten Straßen. Kann ich's auch nicht immer faſſen, So ſollſt doch allein, du mein Führer ſein.

Jeſu, du allein ſollſt mein Hirte ſein

Du führit mic auf grüner Weide

DaB id) feinen Mangel Ieide

Drum ſollſt du allein, ſtets mein Träger jein.

Jeſu, du allein ſollſt mein Träger ſein. Du trägſt mid mit ftarfen Armen

Boller Liebe und Grbarmen;

Drum jolljt du allein ſtets mein Träger ſein.

Seju, du alleın fannit mein Retter jein. Währt die Naht aud) no) jo lange, MWird’3 dem Herzen ſchwer und bange,

So wirjt aus der Bein, du mein Retter ſein.

Seiu, du, nur du gibjt mir wahre Ruh. Kommt mein Ende einjt hienieden,

Seh’ ich heim in jel’gem Frieden; Drum, o Jeſu, du ſchenkſt mir diefe Ruh.

(Bon Alerander Ediger im Kerfer gedichtet.)

Warum?

Herr, warum trittjt du jo ferne, verbirgſt dic zur Zeit der Not?

Pſalm 10,1.

Wie oft iſt gegen Gott. ſchon diejes Wörtlein: „Warum?“ erhoben worden! Mit Taujenden, die aus einer Not, einem Leid, aus Schmerz und Traurigkeit jo zu Gott gejchrieen haben, ſteht auch der Sänger des zehnten Pſalmes und gibt damit all denen, die mit ihrem Warum an Gottes Tür

pochen, das Net, es auch zu fun,

Es iſt, als ob uns hier gejagt jet:

Gott zürnt dir nicht, daß du jein Walten und Regieren nicht verſtehſt. Es iſt ſogar beſſer ſo als wenn dich dünkt, es ſei doch alles klar und ſelbſtver—

ſtändlich, was Gott jetzt tut.

Nein, vor unſerem Menſchenverſtand bleibt

ſein Tun ein Rätſel, geht wider all unſer eignes Rechnen und Verſtehen.

Vor unſeren Augen iſt Gottes Ziel und Zweck verborgen,

daß wir immer

und immer wieder Urſache haben, zu rufen: Warum, Herr, warum? ber auf diejes menihlihe Warum? folgt aud im 10. Pſalm fein löſendes Darum! Es folgt an ſeiner Stelle einfach der Glaube, der weiß, daß Gott

Sieger iſt.

Aber zu wiſſen, daß ſein Plan übe Es kommt erſt in ei

wiſſen iſt nötig. Gott nichts mehr zu bleiben wir im Fragen.

Zu willen, was für einen Plan Gott hat, tut uns nicht not. t alle anderen Pläne objiegt, das zu ner anderen Welt die Stunde, wo ir fragen haben und uns alles far wird. Bis dahin Aber bis dahin dürfen wir auch im Glauben

ftehen, daß alle Dinge denen zum Beiten dienen, die Gott lieber. Wie's Gott gefällt, jo muß es ſein, Zuletzt wird’3 dic) erfreuen; : Was du jegt nennejt Kreuz und Bein, Wird dir zum Troſt gedeihen.

- Wart'

in Geduld,

Die Gnad' und Huld * Wird ſich doch endlich finden; All' Angſt und Qual

Wird auf einmal

Gleichwie ein Dampf verſchwinden.

Die Kriſis in Yarrow. Yarrow, den 15. Juni 1948. Ihr habt es übers Radio gehört, daß die Sachverſtändigen aus den Vereinigten Staaten unſerem Deich Donnerstag nur noch 48 Stunden

7 ——

Jenzens Store u.

gaben, dann wiirde er brechen. Der Moment jollte Freitag Nacht oder Sonnabend fommen. Es fam dann Befehl, ganz Sumas WPrairie und Yarrow zu evafuieren. Das gab viel Aufregung, denn unjere Vor- dermänner am Damm und aud) die

Dre W.B. Gemeinde Kirche,Sa

Herr ©. ©, $. Herzer

thielt am 20. Suni von der Uni- berjität in Valparaijo, Sndiana, U. ©. U. den Ehrentitel des Doktors der Rechte (Doctor of Laws). Dieje öffentliche Ehrenbezeugung ijt eine Anerkennung des großen Dienites, den Herr Herzer in den legten 25 Sahren in Kanada geleijtet hat. Hierbei fommt nit ſoviel feine außerordentlihe organtiatoriihe u. admintitrative Arbeit al3 Chef des Canada Colonization Aſſociation in Betracht, al3 feine menjchenfreund- Iih-wohltätigen Bemühungen für Sltihtlinge, Heimatloje und Einwan- derer, die in Kanada Unterfunft, Shut und neue Heimat juchten. Das er in diejer Arbeit Weitblif und praftiihen Mut zeigte, der auch vor iheinbar Unmöglihem nicht zurück— ichriekt, hat Tauſenden geholfen einen neuen, hoffnungspollen Anfang in Kanada zu machen.

Da er mit Europäern berjchiedener Spraden und kirchlichen Richtungen zu tun hatte, hat jeine immer ob- jeftive und hilfsbereite Stellung ſich iehr ſegensreich ausgewirft. Wer bon ung erinnert fih nit noch an die Anfiedlungsjahre unjerer Ein- anderer von 1923 und jpäter? Heute fördert er nad Kräften die Serüberbringung der Mennoniten Zutheraner, Ratholifen u. a. m. In den legten zwei Sahren hat Herr Serzer als Vorjteher des „Canadian Christian Counsil for Nejettlement of Refugees“ bahnbrechende Arbeit zuguniten der „volksdeutſchen“ Hei— matlojfen in Europa getan, die nicht unfer die Betreuung der J. R. D. famen und jcheinbar ohne Hoffnung u Fe „Royal“ Ingenieure glaubten an- ders. Wir, die wir am und auf dem Damme wachten, waren der Ueberzeugung, daß die Lage jich beſ— iere. Nun diejer Befehl. ES mur-

(Fortjegung auf Seite 2—5)

. sard

P. G. Unger Haus in Sardis, B. C.

J—

dort ſchmachteten. Gegenwärtig kom— men faſt wöchentlich Hunderte von ihnen auf dem C.P.R. - Dampfer „Beaverbrae” nad Sanada. Herr Serzer fuhr perſönlich nad) Europa und konnte einen tiefen Einblid in das Elend diejer Leute tun.

Außerdem iſt Herr Herzer Kaſ— ſenwart der „Canada Zutheran Re— lief Organization“, welche hundert- taufende Dollars flirs Hilfswerk jammelt und drüben Hungrige fpetit.

Seit fiber 20 Sahren iſt er „Ge— neral Manager” der „Canada EColoni- zation Aſſociation“ der C. P. R. und jest auch Chef der „Colonization Finance Corporation of anada, Ltd“. Er hat eine gründliche Kennt- nis der wirtjchaftlihen und finan- ziellen VBerhältnijje des Landes und jein Rat wird geſchätzt. Sein Ge- burtsort iſt Plymouth, Wisconjin, USW., aber die meijten feiner Sahre bat er in Calgary und in Winnipeg verlebt. Seit 1914 bat er in Im— migrationg- und Siedlungsjachen der E. P. R. gearbeitet und genießt daS Vertrauen nicht nur der Adminiſt— ration, jondern auch aller derer, die ihn geihäftli und im Privatleben fennen gelernt haben.

Frau Serzer, die ihn auf der Rei- je zu den obenerwähnten Schlußfeier- lihfeiten der Univerjität zu Valpa- raiſo, Indiana, begleitete, iſt eime geb. Martha Detjen, aus St. Louis, Montana, und nimmt auch regen Anteil in der großen SHilfsaftion, in der Herr Herzer tätig iſt. Sie haben einen Sohn und eine Todter, beide verheiratet.

Wir glauben, daß ich heute viele Mennoniten unjerem Glückwunſche anſchließen und hoffen, daß Gott Herrn Herzer und jeine Familie jeg- nen wird und ihm im Dienjte an jeinen Menjchen-Brüdern Kraft und Weisheit jchenft!

9. 5 R.

Chilliwack, B. €.

Wage es, einen Bericht abzufaſſen über die jüngſten ſchweren Ereig— niſſe in unſerer geliebten Sardis— Anſiedlung, etwa 3 Meilen vom gro— ßen Deich, der doch nicht dem furcht— baren Waſſerdruck ftandgehalten hat. Als noch im Mai die Schref- fensbotihaft: „Die Flut fommt!“, bis zu ung (Prairie Rd. 670, Sar- di3, B. E.) drang, fam es mir um- glaubli dor, daß unjere Sied- fung drei oder jogar 4 Fuß unter Waſſer wiirde zu jtehen fommen. Es war mir lächerlid, daß man jogar von 7 oder 8 Fuß Hochwaſſer jprad) Das Lachen iſt mir vergangen, als unjer Seim erſt 4 Fuß tief im Mailer jtand. MWber es jollte noch

(FSortjegung auf Seite 4—1)

Nummer 25

Nachrichten:

Das Schiff „Charlton Mo— narch“ mit den 758 Emigranten aus Europa mußte in einen brafiliani- ihen Safen gebracht werden, als die Motore veriagten, ehe es Buenos Yires, Argentinien, erreichte.

In Winnipeg erhielten am 21. Suni 12 Abjolventen des M. B. Bibel College ihre Diplome: Bachelor of Theology

George H. Enns, David Nachti-

gal und Aaron G. Warfentin. Bachelor of Relig. Education

Aganetha 2. Kröfer und Trank

F. Kröker.

Sacred Music Course

Peter J. Dick und Henry J.

Schröder.

Missionary Course

Margaret Falk, Clara 2. Rede—

kop und Margaret Schultz. Graduate of Theology

Eliſabeth Iſaak und Henry Pen—

ner.

Das College bedauert es, daß der bisherige Präſident, Rev. John B. Töws, ſeinen Poſten für das kom— mende Schuljahr verläßt und nach Reedley, Californien, geht, wo er die Gemeindeleitung übernimmt.

Bitte zur Kenntnis zu nehmen, daß meine Heimadreſſe nach dem 28. Juni nicht mehr 77 Martin Ave, fein wird, ſondern 55 Noble Ave, Winnipeg. Mödte den Le— fern and) mitteilen, daß id) auf 2 Wochen wegfahre nad) Duebee und Ontario. 9. F. K., Editor.

Sn Gretna, Man., jtarb am 12. Suni das T9jährige Frl. Tina Klaſſen.

Im Altenheim „Bethania“ bei Winnipeg iſt am 14. Juni der 67- jährige Heinrich 3. Sydermann,von Roſthern, Sasf., zur ewigen Ruhe eingegangen.

Frau Anna Raklaff, 62, von Shafter, Calif., wurde in einer Au— tofollijion tödlich verlegt und ftarb am näcjten Tage im Delano Ho— ipital.

Die Bentralfhule in Fern- beim, Paraguay, hat in diejfem Winter 90 Schüler.

Wir bringen no etlihe Pa— raguay-Nachrichten aus der lekten Nummer des „Menno Blatt":

Am 1. März ging über die Biehitation des P. Epp, Mearien- famp, ein ſchweres Unwetter. Wäh- rend die Eltern mit einem Gaft im Sauje jind, wird der anderthalb- jährige Abram vermißt. Als man ihn jucht, findet man die Leiche des Kindes tot auf dem Waſſer des na- ben Teiches ſchwimmend. Man ver- mutet, daß der Kleine vom Blif er- ihlagen und ins Waſſer geworfen wurde.

Der vierzehnjährige Zentral— ſchlüler Ervin Rahn, Lichtfelde, er— hielt am Sonntagnachmittag, den 11. April, durch unvorſichtigen Um— gang mit dem Jagdgewehr von ſei— nem Kameraden aus unmittelbarer Nähe einen ſchweren Kopfſchuß.

Während der Heimfahrt per Kamion vom Ordinationgfeit am 18. April werden der Kr.-Schweiter Ti- na Unrau don einem zu nahe am Wege ftehenden Telephonpojten 3 Singer der Iinfen Sand fajt ganz abgerifien.

Am 22. April ſchoß fich der 16jährige Peter Neimer, Wüſtenfeld, mit der eigenen Flinte durch das

(Fortjeßung auf Seite d—3)

——————

‚Sardis: 1948

ER

„Mennoniten in Mjuncion”.

Mande ftudierten, andere hatten Dienititellen. 2 i erſten Bejuche bei uns äußerte fi einmal der M. €. €. - Sekretär O. Miller _ über Mjuncion folgendermaßen: in ir Haupfftadt eine ziemlich zahlreihe Mennonitenfolonie haben mit eigener Kirche uſw.“ Unfere Gejellfhaft hat es denn auch verfucht, irgendtvie einen

mitt

2 Pla, und mietete auf derjelben Straße zwe

Mennonitiſche Rundſchau

Herausgeber: THE CHRISTIAN PRESS, LTD. WINNIPEG, MAN. CANADA.

Editor 9. F. Klaffen. Geſchäftsführer J. 8. Neufeld Abonnementspreis: „Mennonitiihe Rundſchau“ 82,50 jährlich „Chriſtlicher Sugendfreund“ Töc;zzufammen $3.00 Nah Europa: „Mennonitifche Rundſchau“ $8.00: zujammen $3.50

Alle Korreſpondeng und Zahlungen ſind zu adreſſieren an:

THE CHRISTIAN PRESS LTD., 672 Arlington Street., Winnipeg, Manitoba, Canada.

Authorized as second elass mail, Post Office Department, Ottawa.

Nienneniten in Aſuncion, Paraanay.

Das Straßenbild unjerer kleinen Landeshauptjtadt Ajuncion ſpiegelt Immer das Gepräge des bunteſten Völfergemifches wider. Man dürfte hier wohl faum von einer einheitlichen Raſſe ſprchen, denn es tritt hier ein MWiſchvolk, entſtanden aus dem Blut verſchiedener Völker, ſtark auf. Hier ſieht man Geſichter der allerverſchiedenſten Schattierungen, was Saut- farbe, Haar und Mugen betrifft. Natürlich findet man bier auch haufig noch allerlei Vertreter der berichiedenjten Raſſen und Bölfer, die irgend ein Schickſal nach Bier verſchlagen hat. Da ijt 3. B. der ſchlanke, jtolze Yankee, der ruhig-berechnende Engländer, der ehrlich-derbe Skandinavier, der gemtitlich-biedere Ruffe, der heigblütig-temperamentvolle Romane mit jeinen Vertretern, dem rangojen, dem Spanier und Staliener. Auch fehlt bier nicht der geichäftstfichtige, anpafjungsfähige Jude, nicht zuletzt deſſen Verwandter, der glutäugige, hochgewachſene Syrer, jenem uralten bib— liſchen Geſchlecht, deſſen Heimat Sie Städte um den Libanon, Beirut und Damaskus ſind. Man behauptet, daß er im Sandel jelbjt den Suden ne tiberflügelt, mit dem er gemeinfam denjelben Stammpater „Sem“ at,

E Manche Vertreter diejer genannten und ungenannten Raſſen gaben ihr Blut ab an die Einheimiſchen, und jo entitand denn das buntefte Völkergemiſch hier, aus dem auch tüchtige, leiſtungsfähige Männer hervor⸗ gingen. Deshalb aber auch häufig Haar-, Haut- oder Mugenfarbe, die undefinierbar wurde.

Nur ab und zu fieht der Beobachter auch einmal jenen Urbemohner des Landes, den fupferbraunen, halbnadten Indianer mit fträhnigen, pechſchwarzen Haaren, Bogen und Pfeil in der Sand oder einen Federbtischel sur Geite, majejtätifh dur die Straßen Aſuncions ſchreiten. Bogen und Pfeil dienen ihm jedoch nit mehr als Waffen, fie werden nur noch zum Kauf angeboten, wie auch; die Federn oder ſonſtige Sandfertigfeiten. Alles bietet nur noch ein trauriges Bild kläglicher Ueberreſte einſtiger mächtiger Indianerſtämme von Südamerika, der ehemaligen Herren des Landes.

Unter den obengenannten Europäern zeichnet ſich auch beſonders aus jener phlegmatiſch⸗gemütliche Menihenfhlag von heller Gefichtsfarbe und meijtens himmelblauen Mugen und vorwiegend blonden Haarwuchs, immer bereit zu kräftigem Unternehmen. In den letzten Jahren beſonders hat ſich dieſe Geſellſchaft ſtark vermehrt und iſt immer noch, wie es ſcheint, im Wachſen begriffen. Ihr Name it der Bebölferung nun ſchon ganz geläufig geivorden. Als „Mennonitas” oder im Volfsmund furz „Menno“ mit Be- tonung der legten Silbe find fie jedem Kind befannt. Sie find, fiir uns geſprochen, „Bein bon meinem Bein und Fleiſch don meinem Fleiſch“, das „ewige Wanderbolf” gleich jenem Wanderprediger Menno, wie fie richtig jemand Yenannt hat. Nicht, daß fie e3 etwa gern täten ihrer Natur nad, denn wer ging eigentlich von ihnen freiwillig fort von feiner bodenftändigen Heimat? Nein, vielmehr waren fie tief verwurzelt in Ader und Boden, gleihviel ob in Dft- oder Weitpreußen oder in Polen, wo jie jeit Sunderten

bon Sahren ſeßhaft waren, oder in den Weiten der Ufraina, am Dnjeprſtrom

oder am Molotſchnafllüßchen, ob in der Krim oder am Raufajus, in Sa— gradotwfa oder Memrif, an der Wolga oder am Ural, in den fernen jibiri- ihen Wäldern, oder auf der Ebene der Kulundiniſchen Steppe bis zulekt am Amurfluß des ferniten Oftens, fiberall hatten jie Wurzel gejchlagen. Nur rohe Gewalt entriß fie ihrem heimatlichen Boden, den jie immer un- gern verließen, deſſen jie jich in Liebe erinnern und von dem fie nachts ſchön träumen. Mit roher Hand wurden fie fortgejchleudert in ferne fremde Länder, in den Norden unjeres großen Kontinents zunächſt und dann bis in das Land des Südfreuzes und der Balmen. Doch Gott war immer mit dabei. Und fiehe da, jie ſchlagen wieder Wurzel, bis

„Rod iſt daS Volk nicht müde,

Das Volk der Wanderſchaft;

Will man am Glauben riden,

Es raſch empor ji rafft.

Will man uns nit mehr dulden

In unferer Eigenart, :

Sind wieder wir gezwungen,

Zu fun, was ſchwer und hart.“ So ſangen jie es einem mennonitifhen Dichter und Komponiften noch in 1925 nad), gelegentlich der 400 Jahrfeier des Beſtehens ihrer Glauben3- gemeinihaft. Vier Sahre vor dem Beginn der großen Kataftrophe vor Moskau und deren Fortfekung bis heute.

Und fie zogen, wenn es eben möglich tar, fie zogen, und wenn im

großen Trek, auf dornenvollen, blutigen Wegen, es war ein Heldenzug.

Doch wünſcht man wenn es eben zum Heil darohne dient den Brlidern am andern Ende des Kontinents nit diefe rohe Entwurzelimg. O, es iſt ſchwer, jehr ſchwer, dieſes alles durchkoſten zu müffen.

Doch da bin ich weit weggekommen von meinem angeſchlagenen Thema Bitte zu entſchuldigen! Doch wie kam das eigentlich? jo fragt man ſchon ungeduldig. Sofort komme ic darauf: E Schon in den eriten Sahren unſerer Anfiedlung hielt es etliche Familien nicht in der Siedlung zurück. Sie gingen in die Stadt, um dort ihr Leben zu machen, dieſer ſo, jener anders. Man ſchlug ſich durch, ſchlecht und recht. Gelegentlich eines ſeiner

„In etlichen Jahren wird man in der loſen Zuſammenſchluß anzuſtreben. Man mietete flir den Sonntagnach—

ag bei irgend einer kirchlichen Gemeinſchaft ein Plätzchen, wo man fich zum Gottesdienite verfammelte. Doch dartiber hinaus Fam es nicht. Leider

hielt das auch nicht ſtand, und bald waren die Familien vereinjamt.

>

Baraguay bejuchte, fam er mit dem Plan, ein Mennonitenheim in Aſuncion zu gründen. Es wurde zunächſt auf der Straße Elgio Ayala ein kleines Haus mit etlichen Zimmern gemietet, wo ein ganz kleines Kontor eingerichtet rde und etliche Betten flir Reiſende zur Verfligung ſtanden. In 1944 famen dann Dr. Willard Smith und Frau auf 2 Jahre ch Aſuncion, um als M. €. €. - Vertreter und Hauselternpaar fiir das immer größer werdende Mennonitenheim zu dienen. Dan verließ den

9 na: ‚größere Häufer. Der Verkehr zwischen Mennoniten‘ iedlungen und Heim immer reger. Verſchiedene Kranfe vom Lande, die in der Stadt ig ſuchten, fanden hier Unterfunft. Da man es nirgends billiger und

Als dann in 1943 der M. €. €. - Vertreter, Prof. W. €. Sanzen,-

de3 beſchränkten Raumes und anderer Gründe halber bald

erden muß 2 r aftli ud) Sorge zu tragen ffir die geiftliche Seite, iodi ir nit von Friesland und Fernheim ein-

ordamerika finanzierte die Sache,

bald auch Leute verſchiedener Konfefſionen hier gerne

_wechjelt die Gruppe ebenfen wir au

bee ie De Meer erjeits für die Prediger heit jelber nicht Och

Mittwoch, den 25. Juni, 1998

Seite 2 Mennonitiſche Rundſchau —— —— ——— ——— ——

Hochwaſſer in Sardis, B. C.

"Die letai be per Kann gerettet,Sardi3

1

!

egen die drohende Flut des Vedder Flußes in Darrow, B. €.

| Komando-Stelle auf dem Dyke,Yarrow 1948

-

(Diefe Bilder, wie auch die auf Seite 1, wurden ung reundlichſt von A. A. Wiens, arrow, zur Verfügung geftellt. Red.) S

—— => Horizont zu ertveitern und gleichzeitig unfern Brüdern in der Stadt fir 2

oder 3 Sonntage zu dienen. Die Verſammlu a ſ ngen wurden damals beſucht

Ende 1945 verließen W. Smiths Paraguay und nun bedient Ehepaar Elbin Sauder diejen Poſten. Auch verlegte man das Mennoniten heim in ein anderes Gebäude auf der Straße 25 de Noviembre. ie Ron- torarbeiten erweiterten ſich immer mehr, fo daß der Staat von M. GC. €. - Arbeitern größer wurde. Auch die Zahl der Beſucher wuchs ſtändig. Neben der Hausmutter waren es 2—3 mennonitiſche Mädel aus den Kolonien, die = großen Haushalt flihrten. Das Heim hatte echt mennonitiſches &e-

tage. :

AS dann etida Mitte 1946 Souderg nah USW. zurückkehrt das Ehepaar Gerh. Warkentin auf den Sauselternpoften. = = = Pas Er Br. Warfentin aud) Diener am Wort

omit Horie denn auch der Predigerdienit aus den Koloni ia dieſer mit Kojten verbunden tvar. a

Für den Dienjt im M. €. €. - Kontor trafen die und U. Gingerich ein. ) fen die Ehepaare ©, Buhr Anfangs 1947 begann eine neue Phaſe, indem dag Land ei von fiber 2000 mennonitiihen Einwanderern erhielt. Peue li

läne, orgen, nicht zuletzt durch die Revolution, traten auf. Aber ne die

Kolonien erhielten Zuwachs, nein, auch die Hauptſtadt. GE m S wendig, daß das ältere Ehepaar, EC. De Kehr aus Kanada, Harder mit Frau, und Br. J. W. Warfentin aus Kanjas, hier eintrafen

für = Dienft Volk. enn man heute am Sonntag um 4 Uhr nachmittags d 3 hüb

und gutgelegene Evangeliſche Lokal (Offene Brüder) betritt, ſo 80—90 Beſucher zählen, lauter Mennoniten. Der Leiter dieſer Verfamm-

Harder, Graduant des mit Lied, Schriftwort und armonium. Die n Chor aus 18

nd ide Heſang⸗ für jeden

fach i

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enfen

(Fortſetzung bon Seite 1—5) de jeher ſchwer. Viele Soldaten wurden hergejchiet die Arbeit zu übernehmen. Wir gaben fie nicht ab. Wo mimer es auf anderen Stellen wurde, da braden die Düm. me. Die Royal Ingenieurs ließen dann per Flugzeug den Mann holen, der diefen Damm einmal gemacht hatte mit Majchinen vom Panama. Kanal. Der fam, ging den ganzen Damm entlang und jagte nur paar Worte: „Der Damm hält.“ Das machten unjere Männer fiber Radio befannt. Es kamen noch andere Sachverſtändige.

Sonnabend klihles Wetter. Das Waſſer im Vedder und Fräſer fing an zu fallen. Sonnabend verging und der Damm hielt. Sonntag fam, daS Wetter blieb kühl, das Waffer fiel, und der Damm ftand und wir blieben wachſam auf unjern

Poiten. Bormittag jollte Andacht in der Bibelfchule jein. Die mir nicht auf den niedrigften Plätzen

wohnen, fragten uns, ob's lohnen würde, zu gehen. Aber um 10 Uhr morgens war der Saal der Bibel- ſchule doc ganz voll. Durchs Fen- jter war ja der Damm gut zur fehen. Er iſt da nur eine Viertelmeile ab. E3 waren wohl viele ausgezogen, was ja auch ganz forreft gehandelt war, aber es waren aus den höher gelegenen Straßen, doch recht viele noch da geblieben. Da3 erjte Lied wollte nicht ſorecht £lingen, aber das zweite flang überzeugt „Sefus Hilft!“ So flang’s bi3 auf den Damm und da entlang, wohl bis in den Him- mel hinein.

Nachmittags kamen dann viele Arbeiter aus Vancouver. Abends war eine Andacht durd den Laut— iprecher der Armee auf dem Dam- me. Das Wetter blieb klühl, das Waſſer fiel. Die Nacht verging und der Damm ftand. Da kamen die Sadverftändigen noch einmal und gingen den Damm entlang und fuh— ren, ohne ein Wort zu jagen, nad Vancouver. Bon da aus werden fie uns in Yarrom heute um elf Uhr fagen, ob wir noch weiter aus— ſiedeln follen, oder was fie jet mei- nen. Bon diefem Damme hängt nun plöglich viel mehr ab, als bloß

Yarrows Schickſal.

Bill Gil, Berichterſtatter der „Bancouder Sun“, ſchrieb geitern wie folgt:

„Der Vedder-Deich ift vor viele Proben gejtellt worden und hat fie alle beitanden. Er widerſtand den vereinten Fluten der Fräfer-, Ved— der und Sumasflüffe, die alle drei inmitten feiner bon Bäumen um- tahmten Länge twirbelnd aufammen- treffen. Ein tagelanger Regenguß bermochte ihn nicht zu ſchwachen; Wind und Wetter Fonnten ihn nicht bredien. Der Deich mwiderftand fo- gar der feierlichen Weisſagung ame- rikaniſcher Deich - Sachverſtändiger, daß, er unmöglid länger als bis Freitag mitternadht aushalten fönne Trotz bewölktem Himmel trockneten ſonntags die durchweichten Stellen an der freien Seite des Deihes zu- ſehends Vielleicht wurde der Dei empfindlich und entſchloß ſich, den Glauben lokaler Ingenieure zu rechtfertigen. Die 105 Wachen, die die Hunderte von Zivilarbeitern fen- nen, Armee-Ingenieure und Män- ner der Flotte fühlen alle, daß ber Kampf gewonnen it. Sie bleiben aber wachſam ...

Soeben war ich auf dem Damme,

wo unfere Vorgefegten mit den Herren

dom Militär und der Regierung eine Veratung hatten ımd das Refultat der Priifung und Unterfuhung der USY.-Erperte von geitern wurde. befanntgegeben :Der Befehl, Narrom und Sumas Prairie au räumen Kraft. dir können alſo noch nicht ſagen: Schickt uns unſere da wir ſelbſt Befehl haben, zu räu- Warten wir alſo bis Sonn- abend. Dann wifſen mir vielleicht ſchon mehr, : Das angerichtete Verderben in Sardis ift groß Jetzt merfen die Leute Ion, was ihnen geſchehen ift. Die Möbel im Haufe fallen außein- ander. Die Wände, Fußböden und Decken find gänzlich ruiniert. Viele Häufer treiben auf dem Waller, wo der Wind fie hinſchiebt. Ueberall merkt man einen Modergeruch, und es iſt fraglich, ob Sardis ſobald wie⸗ er befiedelt £ wird die Leute, Slugbafen und jebrach

ſie untergeb rücklaſſen, ch vo

atttrlihe

Mittwoch, den 25. Juni

1948

_Mennenitijche Rundſchau

U 7 rs FROH

Vom Zug zum Dampfer in Bremerhaven

Schließlich doch! Projeft No. 482, Abfahrt des dritten Emigrantenſchiffes „Charl- ton Monarch” nad) Südamerifa,

Endlih, am 16. Mai, um 6 Uhr abends verließ das Schiff „Charl. ton Monarch“ mit 758 Flüchtlingen an Bord und bon meiner Frau be- gleitet Bremerhaven. Sopdiel Schwierigfeiten wie bei diefem Trans— port waren noch bei feinem aufgetre- ten. Faſt ſchien es jo, als ob es nicht ſein ſollte!

Seit Monaten ſchon hatten wir das Schiff in Ausſicht, als es noch „Prince David“ und von etlichen auch „König David“ genannt wurde. Nachdem die Bearbeitung der Flüchtlinge in Gro— nau ihren Abſchluß gefunden hatte, waren ſie faſt alle wieder in ihre Wohnorte in ihrer Bone zurückge— fehrt. Wir hatten ihnen nad) der Bearbeitung bier gejagt, daß fie nun ruhig heimfahren fönnten. Sie wür— den von uns brieflih Nachricht er- halten, jobald ein Abreijetermin feit- gejegt worden ſei. Aus der Erfah- rung heraus jedoch, daß die deutjche Poſt heute mit oftmaliger Verzöge- rung arbeitet, jagten wir ihnen auch, jte würden eventuell rechtzeitig ein Telegramm erhalten, da3 fie hierher ins Sammellager rufen werde.

So fuhren ſie alle wieder zurück an ihre Arbeit, aufs Feld, in die Fab— rik und zu ihren Familien. Etliche packten auch ihre Sachen und machten ſich reiſefertig, aber die meiſten un— terließen die letzten Schritte zur Vor— bereitung, weil ſie ſich feſt darauf verließen: das M. C. C. ſchickt uns Nachricht. Erſt wenn wir das Tele— gramm haben, iſt die Abfahrt be— ſtimmt, und dann können wir anfan— gen, unſer Bett zu zerſägen und Ki— ſten daraus zu bauen. Von da ab ihlafen wir auf dem Flur, und erit dann melden wir ung beim Bfirger- meister und beim Arbeitsamt ab ufw.

Jedoch dag M. E.E. beitimmt den Tag der Abfahrt nicht von fi aus. Uns hatten die betreffenden JRO— Stellen gejagt, daß wir darfiber min- deitens ein bis zwei Wochen vor dem Datum des Abtransportes Nachricht erhalten würden. Nun bejtimmt aber die IRO den Zeitpunft des Abtrans— portes auch nicht jelbjt, und fo geht e3 weiter bi3 ins Unendlihe. Wer den Tag wirklich beftimmt, daS weiß ſcheinbar niemand!

Leider geitaltete jich der Berlauf der Dinge ganz anders, al3 wir e3 borausjehen fonnten. Anſtatt eines Briefes befam jeder Flüchtling, der für den Transport, Projekt No. 482, borgejehen war, ſchon am Karfreitag das Telegramm mit der Aufforde- rung, fi fofort zum Abtransport in Gronau zu ftellen. Da ift e& bei manden Familien wild bergegangen! Aber fie ftellten ſich alle wirklich recht⸗ zeitig ein. Gerade zu Oſtern waren die meiſten von unſeren Leuten in Richtung Gronau / unterwegs, auf in⸗ folge des Feiertags⸗Verkehrs beſon⸗ ders fiberfüllten Zügen. Gleich nach der Ankunft wurden die endgültigen Liſten aufgeftellt, von denen jage und ſchreibe allein 50 Eremplare für die SRO angefertigt werden miij- ſen und nochmals 20 Exemplare fir unferen eigenen Bedarf benötigt wer- den. Die medizinische Unterfuchung wurde vorgenommen und alles war freudig erregt, daß es jo plößlic los⸗ gehen ſollte!

Als jedoch alles transportbereit war und wir dieſe Tatſache pünktlich an die IRO weitermeldeten, kam von dort der Beſcheid, daß der Dampfer „Eharlton Monarch“ leider nicht ſee— tüchtig ſei und noch einmal nach Ant⸗ werpen ins Trockendock miiſſe. Das war eine bittere Enttäufhung.

Das Gronauer Lager hat durd- ſchnittlich 800 Flüchtlinge zu betreu- en. Nun aber waren noch 758 hin- zugefommen, welde natürlich in den Räumen des Lager felbit nicht Un- terfunft finden fonnten. Es wurde

deshalb mit dem Stadtdireftor und mit dem Bfirgermeifter beraten und

1X

man gab uns zwei Schulen zur Un— terbringung der Auswanderer. Die vielen Kinder, die dieſe Schulen beſu— chen, mögen ſich anfangs wohl ge— freut haben, daß ihre Klaſſenzimmer von Mennoniten als Wohnräume be— nutzt wurden und ſie dadurch Ferien bekamen. Doch der Lehrvorſtand hat— te anders beſchloſſen und die Kin— dieſer zwei Schulen wurden auf an— dere Schulen der Stadt verteilt. Für das Schulweſen ſelbſt war dies na— türlich ein großes Minus und brachte allerlei Beſchwerden und Unanehm— lichkeiten mit ſich. Uns gegenüber war man aber ſehr zuvorkommend und zeigte viel Verſtändnis für die entſtandene Lage. „Auf jeden Fall iſt es nur für ein paar Tage“, ſagte man ſich. Es gab weder Betten noch Strohſäcke. So mußten die Flücht— linge einfach mit einer Decke auf dem Flur fürliebnehmen. Weder ſie noch wir hatten eine Anhnung davon, daß aus dieſen paar Tagen des Wartens Wochen werden ſollten. Und einmal hieß es dann: „Jetzt iſt der „Charl- ten Monarch” wieder ſeetüchtig, jekt jammelt euch wieder und fommt nod)- mal3 zur ärztlichen Unterjuchung, die itreng 24 Stunden vor dem Abtrans- port durchgeführt werden muß.“

Und wiederum gab e3 etlihe Fa— milien, welche nicht mitfahren fonn- ten, weil ein Sind von ihnen Mafern hatte. An deren Stelle wurde dann eine andere Familie aus der joge- nannten Rejerve - Gruppe eingejett. Denn die Paſſagierzahl des Schiffes follte voll ausgenußt werden, aber andererjeit3 mollten wir auch nicht die Familien auseinanderreigen. Alle Liſten mußten umgejchrieben werden. Viel zufäßliche Arbeit war zu leiten. Und dann hieß es zu guter Letzt doch: „Aufgeihoben!“ 5

Troß drei langen Wochen des War- tens war die Stimmung unter den Flüchtlingen immer noch gut. Denn fie glaubten fejt daran, wenn e3 Öot- tes Wille jei, daß fie fahren jollten, fo tofirden fie eg auch erleben. Feier— ih wurde das Abſchiedsfeſt began- gen. Ein reiches Programm mit An- iprachen, Gedichten und Liedern ge- reichte allen zum Segen.

Und etliche Tage jpäter jah man wiederum unfere Gruppe alphabetifch in Reih und Glied auftreten. Man glaubte: Diesmal geht es aber ganz beftimmt los! Denn es geſchah da3, was ji) nur dann ereignet, wenn ei— ne Gruppe wirklich unmittelbar vor Sem Abtransport fteht: Es wurden die Bälle ausgehändigt.

Nun ereignete ſich eine Epifode, der dur die Komik der Situation die Bitternis der Enttäuſchung ge- nommen wurde: Einer der M. €. C. Arbeiter fam gerade borliber, als ei- ner der jungen Männer, ſtolz jeinen neuen Paß beivundernd, die Ausgabe⸗ ſtelle verließ, um über die Straße zu gehen. Freudig begrüßte er ihn mit den Worten „Nun - glauben Sie es aber, daß es losgehen wird!” Worauf unfer Auswanderer mit ichel- miſchem Lächeln ertiderte, er tolle erſt noch etwas mehr fehen, bevor er das glaube. Eben hatte er die andere Seite der Straße erreicht, als man ihn ſchon zurüdrief und ihm fagte, ioeben jei eine telephoniiche Anjage eingetroffen, wonach der „Charlton Monarch” auf einer Probereije wie— der einen Keſſel geiprengt habe. Alſo wurden die eben ausgehändigten Päſ⸗ je alle wieder eingezogen.

Am 8. Mai hieß es num, noch ein⸗ mal rliſten, noch einmal die medizini- iche Prüfung vornehmen, und al3 de- ron Ergebnis mußten wieder Fami— fien, aber diesmal andere, wegen Ma—

- fern ausscheiden, und neue murden

daflür hineingeftet und durften ſtatt der erſteren mitfahren. Wiederum wurden alle Liſten umgeſchrieben und jeßt ſchien es allen wirklich: „Es

eht los!“ rn das Vorkommando bon 121 Mann wurde berladen. Mit freudi— gem Winfen verließen fie den Bahn- hof in Gronau. In Bremerhaven

Ein Serr Dehn vom IR. D. und E. F. Klaſſen vor dem Schiffe.

Der Dzeandampfer „Charlton Monarch“ am 16. Mai, 1948.

angefommen, ſah man endlich zum eriten Male das langerjehnte Schiff.

Da3 war eine harte Probe für un- iere lieben Paraguay-Auswanderer! Unter jih—halblaut—erzählte man, e3 gäbe gar fein Schiff mit dem Na- men „Charlton Monarch” und e8 jet, wie mit dem „Prince David“, der auch gar nicht exiſtiere. Andere wie— der behaupteten, daß es wohl jo ein Schiff gabe, aber es müſſe beitimmt ein ganz alter Zuber fein, auf dem das M. E. E. nie’ jeine Flüchtlinge verladen würde. Und nod andere wußten zu antworten, wenn ‘Peter Dyck jene Frau mitfahren läßt, dann wiirde er auch ſchon dafür jorgen, daß das Schiff nicht untergehen wird!

E3 war gänzli umgebaut worden. Aber man hatte es nad dem Umbau nod nit gereinigt. Sofort gingen unjere arbeit3freudigen Männer und Frauen mit großem Eifer an dieſe Ar- beit heran. Nicht nur mit Bejen, Waſſer und Seife, nein, jogar mit Schaufeln wurde der viele Schutt be- jeitigt.

Es war borgejehen, daß die Haupt- gruppe zwei Tage nad) dem Vorkom— mando nachkommen jollte. Und wie— der wurde es aufgefhoben! Wieder gab es eine Fülle unproduftiver Ar- beit! Die Bermutungen fprangen bin und her, und man verſuchte ſich damit zu tröften: „Wenn nur die 191 nicht zurückkommen! Wenn jte nur auf dem Schiff bleiben! Dann müſſen endlich aud wir anderen jo weit fommen.” .

Und wirflih! Der Tag der Ab- reife kam ſchließlich auch für dieſe Gruppe. So überraſchend wie die Telegramme am Karfreitag eingetrof- fen waren und ſo, wie ſie ſich zu Oſtern eilig auf den Weg gemacht hatten, ſo hieß es auch jetzt, gerade zu Pfingſten, nach Bremerhaven zu fahren.

Es ‚war ein wunderſchöner Sonn- tagmorgen. Sn aller Frühe ſchon famen unfere Auswanderer am Bahn- hof zufammen und warteten dort auf

Da hieß e8, no einmal Mand eine ver—

den Bug. Abſchied nehmen. itohlene Träne wurde abgewijcht. Das war ein Händeſchütteln und ein Ab—

ſchiedwinken! Und. jhliegli fuhr der Zug unter dem Gejange: „Wenn zuleßt ih) daheim”, aus dem Bahn- hof hinaus, begleitet von dem Tücher- winfen der Zurückbleibenden.

Ber der Ankunft in Bremerhaven ſtellten wir jogleihh einen neuen Re— ford auf: 637 Mann nebjt Handge- pück in 41 Minuten eingefchifft!

Sm warmen Abendjonnenfhein— um 6:10 jette fic) der Dampfer langjam in Bewegung, und nun fuh- ren jie wirklich von Bremerhaven ab. „E3 hat doch jollen ſein!“ jagten wir ung und dankten Gott für jeinen Bei- ſtand. Wir hatten das Unſrige getan und mußten, daß mir bon nun an nichts mehr tun fonnten, al3 fie Gott zu empfehlen und für eine glfidlidhe

_Meberfahrt zu beten.

Man hatte uns wohl gejagt, daß der „Charlton Monarch)” nicht direkt binüberfahren fönne, fondern ein- oder ziwermal unterwegs anhalten müſſe, um Del zu tanfen und um Proviant an Bord zu nehmen. Doch hatten wir nicht damit gerechnet, jhon nad) zwei Tagen, aljo am Dienstag, unfer Schiff, im Hafen von Rotterdam Tiegend, wiederzufehen, als Bruder Klaſſen und ih in der An- gelegenheit des Abtransportes einer größeren Gruppen nad) Kanada dort zu tun hatten. Nachdem wir un— fere Arbeit bei den Behörden beendet hatten, fuhren wir hinaus, um noch einmal die Flüchtlinge und meine Frau zu jehen und uns zu erfun- digen, wie alles gehe. Mit einem leinen Motorboot wurden mir zum Dampfer gebracht, wo wir nad) freu— diger Begrlüüßung bald die bedauerli- che Nachricht erhielten, daß ſowohl derri1. Ingenieur und der 1. Elektro- techniker ſowie auch noch andere ab- ſolut unentbehrliche Mannſchaften das Schiff verlaffen hatten, Es war fein Streit, jondern einfach das, was man bei uns drüben einen „walf-out” nennt. Es war dies nicht zum ersten

Tante Helene Thiegen, 70 Jahre alt, geht zum Schiff.

Mal, dat unter dem Schiffsperjonal

. Schwierigfeiten aufgetaucht waren.

Es ſchien alfo wiederum, als ſolle es nicht fein, daß dieſe Gruppe fahre. Einmal war e8 der Kefjel, welcher geplagt war, und ein andermal wa— ren e3 die Nerven, welche fiberijpannt waren. Und was würde e3 da dritte Mal fein? (Sieh unten! €.)

Dennoch waren wir uns flar dar- über, daß wir in de Herrn Hand find und daß er, der aus Rußland nah Polen geholfen hat, der auf der Flucht nad) Deutſchland bewahrt Hat- te, der dieſe Jahre hindurch wunder— bar erhalten und gerettet hatte, daß er auch weiter ſeine ſchützende Hand nicht zurückziehen werde. Das kam bei dieſem ſchönen Zuſammentreffen und während des Abendſegens mit der ganzen Gruppe wunderbar zum Ausdruck, hat unſer aller Herzen er— baut und ſtärkte unſere Zuverſicht, daß bald eine neue Mannſchaft per Flugzeug von England kommen und daß dieſe dann das Schiff weiterfüh— ren würde. Spät am Abend verlie—— Ben wir dann zum zweiten Male den „Eharlton Monarch)“.

An Bord war mit der Durhfüh- rung eines reichhaltigen Wochenpro- gramms für die Erbauung unferer Geſchwiſter beiten Sorge getragen. An jedem Tage ijt morgen3 von 8—9 Uhr und abends von 9:30 bi3 10 Uhr Andacht. Am Dienstag und am Don- nerstag hat der Chor nachmittag von 4—5 Uhr feine Uebitunden. Am Mittwohnahmittag wird in der Zeit bon 2—3 Uhr Bibelftunde gehalten und freitags findet um diejelbe Zeit eine Sugendftunde ftatt. Auch an die Kinder iſt gedaht, für die im An— ihluß an die Sonntagsandadt ein einjtlindiger Kindergottesdienft abge- halten wird.

Ein Brief meiner rau, an Bord nahe der englifhen Rüfte von Dover geſchrieben, berichtet von einer ruhi- gen Fahrt und daß nunmehr anfdhei- nend alles gut gehe. Unfere Flücht— Iinge feien bis dahin noch nicht jee- franf und was nod) wichtiger ift jie jeien überhaupt in guter Stim- mung und alle dankbar, daß es end- ih aud mit diefem Transport ge- flappt hat. Sie erwarten nun, noch zweimal anzuhalten, einmal in Sanct Vincent (Gibraltar) und das andere Mal an den Kapverdifchen oder den Kanariſchen Inſeln.

Von Südamerika wird uns berich— tet ‚daß die Brüder C. DeFehr und J. Warfentin jchon feit längerer Zeit auf diefe Gruppe warten. Die Ver- aögerung des Abtransportes und in3- bejondere die dadurch entitandene Un- gewißheit hat ihre Arbeit dort fehr erſchwert, um alles dahingehend zu regeln, daß unsere Gruppe in Bue— nos Aires in Empfang genommen u. den Paraguayfluß weiter hinaufge- ihidt werden kann. Doch auch jie werden es dort mit des Herrn Hilfe ichaffen und wir find der feiten Zu- verſicht, daß auch diefe Gruppe endlich ihr Biel erreichen wird.

Nachdem ihre Geduld eine jo harte Probe zu beitehen hatte, wünſchen wir ihnen allen Gottes reihen Segen bei ihrem ſchwerem Anfang in der neuen Heimat. Auch fie jollen erleben, daß

des Herrn Arm nicht zu kurz iſt und

er immer hilft, wenn aud oftmals nicht gerade dann, wenn wir es er- warten ‚jo doch ſtets, wenn e8 nad feinem weiſen Plane gut ist.

Peter J. Dyck.

Fran Frida Dyck hat vom 16. d.

. dem M. C. C. gekabelt, daß die Motore des „Charlton Monarch” anf offener ‚See verſagten nnd das Schiff im Schlepptaun nad) dem Ha- fen „Recife“, Brafilien, zur Repa— tur gebradjt werden mußte, Wanır werden fie endlich am Beitimmungs- ort landen? ?

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Mittwoch, den 23. Juni, 1948

Seite 4 Mennonitiſche Rundſchau fñ———— ———— rn ir 1 EEE TE EEE SE TREE Tr (Bortjegung von Seite 1—4) Kanada es möglich gemacht, viele Sie waren wohnhaft in Dobrowfa, Taufende A —— —— Inhalt der erſten Nummer der bon einem intereffierten jungen tiver Anfang foli geboten werden, Weil es aber jo ſehr viele at! A iti w g SR er unler Da er Dann zu ſchicken,